Montag, 30. Juli 2007

Affäre Mirko Kovats: Der Oerlikon - Unaxis - Deal

Während der bekannte österreichische Industrielle Mirko "Trickser" Kovats (A - Tec - Gruppe, A - Tec - Industries) in Wien wegen des Verdachts der betrügerischen Krida vor Gericht steht - es drohen theoretisch zehn Jahre Haft, es gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung - kommen seine Schüler und "Männer fürs Grobe", nämlich Ronny Pecik und Georg Stumpf, vermutlich ungeschoren davon. Ronny Pecik und Georg Stumpf sind nicht nur längst um zahllose Millionen reicher als Mirko, sie waren auch cleverer und vorsichtiger und haben rechtzeitig auf die richtigen Leute gesetzt. Mirko hat früher "heftiger" getrickst und steht deshalb jetzt auch vor Gericht. Das Meisterstück des "teuflischen Trios" Mirko Kovats, Ronny Pecik und Georg Stumpf, der so genannte Unaxis - Oerlikon - Deal, wird, so Schweizer und österreichische Staatsanwälte unisono, nie anklagereif werden. Damals schrieb doktormauthner wie folgt:

Für gut eine Milliarde Franken haben die beiden Wiener Financiers Mirko Kovats und Ronny Pecik eine Aktienmehrheit des Technologiekonzerns Unaxis gekauft. Zu diesem Zweck hat ihre Victory-Holding im grossen Stil Kredite aufgenommen und Unaxis-Aktien als Sicherheit hinterlegt.

Jetzt werden die Schulden bedient – und zwar aus den (noch) vollen Kassen der Unaxis. Dazu dient der angekündigte (und gemäss Insidern) bereits abgeschlossene Rückkauf von 1,41 Millionen Unaxis-Aktien. Das dürfte rund 250 Millionen Franken gekostet haben, rund die Hälfte der Liquiditätsreserven über die Unaxis Mitte Jahr noch verfügt hatte.

Doch die neuen Unaxis-Chefs verhökern auch schon das Tafelsilber. Letzte Woche hat Unaxis ein Paket von 19,5 Prozent an der Inficon-Holding verkauft. Ein Teil des Erlöses von rund 70 Millionen Franken wurde zum Kauf von Inficon-Optionen verwendet. Geschäftspartner war die Zürcher Kantonalbank. Sie habe damit, so weiss man in Finanzkreisen, sehr günstige Konditionen ausgehandelt. Kein Wunder: Victory braucht Geld, und die ZKB weiss dies.

Wie dringend die Victory Geld braucht, kann man inzwischen in einem Anleihensprospekt nachlesen, den die A-Tec (zu 92,5 Prozent im Besitz von Pecik und Kovats) kürzlich veröffentlicht hat. Die A-Tec, ein Konglomerat in Anlagebau-Firmen, hat 2004 nur dank legalen Buchungstricks einen kleinen Gewinn ausgewiesen. Allein die kurzfristigen Bankschulden sind mit 104 Millionen Euro (161 Mio. Franken) um 15 Prozent höher als das Eigenkapital, das nur noch knapp 10 Prozent der Bilanzsumme ausmacht. Um flüssig zu bleiben, bereitet A-Tec zur Zeit eine Anleihe von 100 Millionen Euro (155 Mio. Franken) vor. Im Klartext: Die Hausbanken der A-Tec versuchen ihre unsicher gewordenen Guthaben an naive Kleinanleger zu verkaufen und dabei noch Kommissionen zu verdienen.

Doch weil die Finanznöte der Victory offenbar noch grösser sind als die der A-Tec, hat diese kürzlich noch 21 Millionen Euro (32 Mio. Franken) an die Victory ausgeliehen. Dass die A-Tec trotz knappen Finanzen kürzlich drei Firmen gekauft hat, ist auf den zweiten Blick nicht mehr so erstaunlich: In zwei Fällen hat sich die A-Tec verpflichtet, binnen fünf Jahren 56 Millionen Euro (86,8 Mio. Franken) zu investieren. Als Gegenleistung dürfte sie einen Kaufpreis weit unter dem Bilanzwert ausgehandelt und wahrscheinlich auch noch Bargeld erhalten haben. Im dritten Fall handelt es sich um eine Firma, die nach massiven und anhaltenden Verlusten ihr Eigenkapital weitgehend aufgebraucht hat.

Doch es kommt noch besser: «Von Herrn Diplomkaufmann Dr. Mirko Kovats und Ronny Pecik», so steht im Prospekt der A-Tec, «wird zur Zeit geprüft, ob eine Verschmelzung der A-Tec mit den Unaxis Holding betriebswirtschaftlich sinnvoll erscheint.»

Die Frage ist in der Tat sehr offen. Klar ist nur, dass eine solche Fusion für Kovats und Pecik äusserst sinnvoll wäre: Sie könnten ihre nicht sehr werthaltigen A-Tec-Aktien gegen solche der Unaxis tauschen, die durch die Fusion allerdings auch nicht an Wert gewönnen.
Leidtragende wären die Minderheitsaktionäre der Unaxis. Könnten sie sich nicht wehren? Eine Umfrage bei führenden Aktienrechtlern zeigt, dass eine solche Fusion zwar rechtlich fragwürdig, praktisch aber kaum zu verhindern wäre.

Das hat zwei Gründe: Zum einen hat es die Eidgenössische Übernahmekommission versäumt, die Victory zu verpflichten, allen Unaxis-Aktionären ein Übernahme-Angebot zu machen. Zweitens sind die schweizerischen Staat- und Bezirksanwaltschaften zu schwach dotiert, um solche komplexen Fälle zu bearbeiten, geschweige denn um eine abschreckende Wirkung zu entfalten.

Die Börsenzeitung «Finanz und Wirtschaft» schrieb letzte Woche, dass sich Unaxis zu einem «neuen Fall Werner K. Rey» entwickeln könnte. In der Tat ist folgender Ablauf denkbar. Die A-Tec bürdet sich weitere Verpflichtungen auf, fusioniert mit Unaxis, bei A-Tec läuft irgendetwas schief, das Eigenkapital fällt unter 10 Prozent, die Banken kündigen automatisch das Anleihen, andere Gläubiger ziehen nach, die Schulden der A-Tec erweisen sich – wie im Fall der Swissair – als viel höher als in der Bilanz ausgewiesen. Pleite.

Eine solche Entwicklung wäre nicht nur für die Angestellten der Unaxis ein Katastrophe, sie wäre auch für die ZKB ein Problem. Die einst brave Kantonalbank ist unter Hans F. Vögeli zum führenden Anbieter von Aktien-Wetten (Fachjargon: Finanzderivate) mutiert. Allein auf Unaxis laufen zur Zeit zwölf ZKB-Wetten im Wert von 450 Millionen Franken.

Nicht zuletzt dank dem Aktienhandel konnte die ZKB ihren Gewinn 2004 verdoppeln, was sich auch für das obere Kader auszahlt. 2004 kassierte Vögeli immerhin schon 1,3 Millionen. Dieses Jahr dürften es dank den Derivaten mehr als zwei Millionen Franken werden.

«Nähe schafft Mehrwert» heisst es im ZKB-Geschäftsbericht. In der Tat arbeitet die Kantonalbank eng mit Kovats und Pecik zusammen. Sie hat die Übernahme der Unaxis mit ihren Optionen begleitet, sie ist mit einem Anteil von 20 Prozent einer der grössten Unaxis-Aktionäre und beherrscht – zusammen mit der Bank Vontobel – den Handel mit Unaxis-Aktien.

Falls das Experiment schief läuft, käme die ZKB finanziell wohl ungeschoren davon. Sie hat weder der A-Tec noch der Victory Kredite gewährt, und alle ihre Posiitionen sind rundum abgesichert. Doch gerade weil die Geschäfte der ZKB mit ihrem langjährigen Kunden Unaxis so einträglich waren, müsste sie sich im Falle eines Falles vorwerfen lassen, dass sie mit ihren Profite andere – die Minderheitsaktionäre und nicht zuletzt Angestellte der Unaxis – zu Verlierern gemacht hat.

Im Strafverfahren gegen den österreichischen Industriellen Mirko Kovats wird es inzwischen für diesen immer enger: Brisant erscheint vor allem die Liste jener Firmen, die als "Leichen im Mirko - Keller" z.T. auch Medien und Banken bisher völlig unbekannt waren. Seit diese bisher geheime Liste der Staatsanwaltschaft Wien zugespielt wurde, ist Feuer am Dach.

Immer mehr obskure Transaktionen scheinen aufzufliegen: Hat Mirko "Trickser" Kovats nicht nur bei seinen seltsamen Diskothekengeschäften, sondern auch bei vielen anderen Firmen "getrickst" und "herumgeschummelt"?

Schon hat die Staatsanwaltschaft Wien eine lange Liste "zufälligerweise" wegen Vermögenslosigkeit amtswegig gelöschter Firmen. Hat es auch bei der Übernahme der VA Tech durch Siemens Betrügereien gegeben? Was lief wirklich beim sog. Oerlikon - Unaxis - Deal? Wird es auch für Ronny Pecik und Georg Stumpf bald eng? Geraten auch die Personen, die beim Unaxis - Deal (heute wieder: Oerlikon) in Millionenhöhe mitgeschnitten haben, nämlich Niki Lauda, Engelbert Wenckheim ("Ottakringer Brauerei") und René Alfons Haiden, ins Visier der Staatsanwaltschaft?

Nach einem Einzelfall sieht die jetzt anklagereife Causa nämlich nicht aus. Wie eine Recherche im Firmenbuch ergibt, mussten seit Ende der Achtzigerjahre in Österreich 36 Unternehmungen aus dem Dunstkreis des Super - Tricksers Kovats amtswegig, nicht selten wegen Vermögenslosigkeit gelöscht werden; es konnte also nicht einmal ein Konkurs finanziert werden.

Allen gemeinsam: Kovats, seine Geschäftspartner Franz Mock und Wolfgang Gröger waren persönlich, über Treuhänder, Stiftungen oder Firmen zumindest temporär involviert. Die Palette reicht von der Leobendorfer Großdisko Dorian Gray über die Wiener Hebetechnik & Brückenbau bis zur KPS Beteiligungs-GmbH, die am 9. 8. 2007 vermögenslos gelöscht wurde. Für alle gilt die Unschuldsvermutung. Ob es sich um kaufmännisches Pech handelte, muss die Staatsanwaltschaft nun beurteilen. Ihr liegt die Liste seit Freitag auch vor. Schon seit längerer Zeit wird bekanntlich in Insiderkreisen gemunkelt, dass es auch bei der Übernahme der VA Tech durch Siemens Betrügereien gegeben haben könnte.

Gnade Gott allen Beteiligten, so ein Insider aus der Wiener Bankerszene, sollten Gerichte irgendwann einmal auch die Verbindungen zu Ronny Pecik und Georg Stumpf und den "Oerlikon - Unaxis - Deal" genauer hinterschnüffeln.

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