Montag, 19. November 2007

Steigende Rohstoff- und Lebensmittelpreise: Kleinverdiener in Österreich ebenfalls bald halb am Verhungern?

Soja hat eine beeindruckende Rally hinter sich. Allein in diesem Jahr hat sich der in drei Monaten fällige Future um 46 Prozent verteuert und war gestern in Chicago mit 10,89 Dollar je Bushel so teuer wie seit 19 Jahren nicht mehr.

Für die sich zuspitzende Verknappung ist eine Reihe von Gründen auszumachen: Zum einen ist angebotsseitig beim weltgrössten Produzenten USA in diesem Jahr die Anbaufläche für Soja auf den niedrigsten Stand seit zwölf Jahren geschrumpft. Die Erklärung hierfür ist in der enormen Nachfrage der Biotreibstoffindustrie nach Mais zu suchen, die zu einer Ausweitung der Mais-Anbaufläche zu Lasten von Soja geführt hat.
Zum anderen ist einmal mehr die Nachfrage aus ­China als Preistreiber auszumachen, denn beim bedeutendsten Importeur steigt die Bedeutung Sojas nicht nur als Nahrungsmittel, sondern vor allem auch als Futtermittel in der Viehhaltung. Zudem gewinnt ­diese Nutzpflanze als Grundlage für Biotreibstoff rapide an Bedeutung.

Ähnlich verhält es sich bei Palmöl, dessen Drei-Monats-Future sich seit Jahresanfang sogar um 54 Prozent ver­teuert hat. Wie bei Soja kommt im Falle von Palmöl die Produktion der wachsenden Nachfrage kaum mehr nach. Hier wird die Diskrepanz zusätzlich dadurch verschärft, dass in den wichtigsten Anbau­ländern Malaysia und Indonesien die Ackerflächen kaum mehr ausgeweitet werden können.

Der Weizen- und Maismarkt zeigt eine völlig andere Entwicklung – hier bewegen sich die Preise seit Monaten abwärts. Dieser Abwärtstrend hat damit zu tun, dass es in ­beiden Fällen gelungen war, das Angebot deutlich zu erhöhen – konkret die Anbauflächen zu erweitern. So ist beispielsweise in den USA der Weizenanbau heuer um sechs Prozent auf 64 Millionen ­Hektar, die grösste Fläche seit 1944, ausgeweitet worden. Entsprechend soll heuer auch die Ernte um 25 Prozent höher als im Vorjahr ausfallen.
Doch es steht eine Trendwende ins Haus: da Soft ­Commodities bei steigenden Verbraucherpreisen als Inflationshedge immer interessanter werden und zudem der hohe Ölpreis die Attraktivität von Biotreibstoffen weiter ­anwachsen lässt, ist auch bei Mais und Weizen eine neue Rally nicht auszuschliessen.

Während sich wohlhabende Anleger, Spekulanten, Banker, Broker und ihre Trittbrettfahrer die Hände reiben, verschärfen Biospritproduktion und hohe Lebensmittelpreise die ohnehin schon prekäre Lage der Armen. Egal, ob alleinerziehende AHS - Lehrerin, Arbeitsloser oder Pensionist, die Verlierer des "Europas der Banken und Konzerne" und der neoliberalen Brutalogesellschaft müssen bei einer Inflation an der Drei-Prozent-Grenze immer mehr von ihrer immer knapper werdenden Kohle hinlegen, um die Milliardengewinne der Rohstoff- und Nahrungsmittelproduzentenkartelle zu finanzieren.

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